WALDBURG AICHELBURG

Die Waldburg Aichelburg wurde vom Forstpersonal der Herrschaft Marschendorf als Gedenkstätte für Berthold von und zu Aichelburg errichtet, der als ausgezeichneter Wirtschafter und Gönner des Ostriesengebirges in die Geschichte eingegangen ist. Der vollständige Titel des Besitzers der Marschendorfer Herrschaft lautete Berthold Maria Johann Anton Franz Daniel, Graf von und zu Aichelburg. Nach seinem tragischen Tod am 13. 5. 1861 verspürten die hiesigen Einwohner und vor allem die Forstbeamten das dringende Bedürfnis, sein Angedenken durch die Errichtung einer öffentlichen Gedenkstätte zu wahren. Deshalb entstand hoch über dem Tal der Aupa an den bewaldeten Hängen des Forstberges (Svìtlá hora) in einer Höhe von 736,45 Metern ü. dM. die kleine Waldburg Aichelburg. Im Sommer des Jahres 1862 suchten der Grundbesitzverwalter Heinrich Schubert und Oberförster Johann Miksch (der die Bauleitung übernahm) nach einem geeigneten Ort für den Bau einer romantischen Burgruine. Schon im Herbst wurde der Bau in Angriff genommen und im August des Jahres 1863 beendet. Bei seiner feierlichen Eröffnung am 9. September 1863 wurde die künstliche Ruine auf den Namen "Aichelburg zu Berthold's Ehren" getauft. An der Eröffnungsfeier nahmen auch sein erstgeborener Sohn Alfons, zwei Komtessen, Geistlichliche, k.u.k. Beamte aus Marschendorf, Repräsentanten der umliegenden Orte, Gäste aus Johannisbad (Janské Láznì) und viele weitere Menschen teil.
Josef Nožièka beschrieb die Burg wie folgt: "Die Burg steht auf einer Felsklippe am östlichen Hang eines bewaldeten Berges über dem Ort Dunkelthal (Temný Dùl), 365 österreichische Fuß (115 m) über dem Fluss Aupa. Man gelangt zu ihr auf einem links liegenden erhöhten Bergsteig, einem 248 Fuß (483 m) langen Weg für Fußgänger. Der Weg dauert zirka 15 Minuten. Wenn der werte Besucher ihre halb verfallenen Gemäuer erreicht hat und den Burghof betritt, stellt er fest, dass links eines von zwei Wachthaus genannten Holzhäuschen steht. Links und rechts ist die zum Teil eingefallene Burgmauer zu sehen und im Vordergrund ragt auf einem vorragenden Gneisfelsen die Burg auf. Sie besteht aus einer geräumigen Halle, in der die Büste des verewigten Grafen steht. Die überlebensgroße Gipsbüste ist das Werk eines Bildhauers aus der Marschendorfer Glashütte, die dieser nach einem Totenportrait hergestellt hatte. Aus diesem Raum führen weitere Türen in einen 5 Klafter (9,74 m) hohen Turm, von hier aus gelangt man durch eine dritte Tür hinaus auf eine kleine Terrasse. Den Turm selbst besteigt man über vierzig Holzstufen. Ein paar Schritte hinter der Burg befindet sich ein Schießplatz, auf dem sich das gräfliche Forstpersonal und Schießfreunde an Sonntagen die Zeit vertrieben.
Entzückend ist der Blick von der Burg über Dunkelthal nach Marschendorf. Alles liegt wie auf dem Präsentierteller: die über die Aupawiesen verstreuten Häuschen, die Glashütte mit ihren Öfen und Holzvorräten, die gräfliche Leinenspinnerei und das gräfliche Schloss im Park, das k.u.k. Kreisamt und der größte Teil der Häuser am Marktplatz. Darüber ist im Osten die Pflanzenwelt des Rehorn (Rýchory) und dessen Gipfel zu sehen. Nordöstlich ragt der Spitzberg/Špièák auf, nördlich die Berge Langer Berg/Dlouhá hora und Roter Berg/Èervená hora. Den Blick nach Süden, Südwesten und Westen verhindert der bewaldete Bergkamm. Am Osthang ist ein schönes dreifaches Echo zu hören, der Ruf hallt hier von der Westflanke der bewaldeten Berge und vom östlich aufragenden Spitzberg wider und hält im Tal gegenüber dem Roten Berg inne. Das Burgrestaurant bietet seinen Besuchern Wein, Bier, Kaffee, Butter- und Käsebrote, preußische Würstchen und Schinken zur Erfrischung an. Das war ein guter Zug, denn die Burg blieb durch diese häufigen Besuche in Erinnerung und konnte bequemer und völlig eingerichtet werden".
Wegen seiner etwas ungünstigen Lage, vor allem aber wegen einer fehlenden und bequemen Verbindung nach Johannisbad/Janský Láznì war die Burg längst nicht so attraktiv, wie man zu anfangs gehofft hatte. Schon 1875 wird erwähnt, dass das Restaurant nicht mehr existiert. Die zur Burg führende Wasserleitung wurde im Jahre 1872 beschädigt und nicht wieder repariert. Die Umgebung der Burg wurde von Lawinen, Wind- und Schnee bedroht. Noch in einer Mitteilung aus dem Jahr 1901 ist von der Burg als von einer Ruine die Rede, jedoch noch auf Fotos aus den 30. Jahren ist ein gemauertes Gebäude mit einem eingefallenen Schindeldach zu sehen. Nach 1945 verschwindet der Name Aichelburg aus allen Karten und wird durch die allgemeine Bezeichnung "Hrádek-Bürglein" ersetzt. Von da an geriet die Burg in Vergessenheit. Der Steig aus dem Tal zur Burg verfiel und der obere Bergsteig wurde mit der Zeit auch unbequem. Auch die Legenden über die Gründung der Burg waren sehr unterschiedlich, die von den neuen Ansiedlern aus bewahrt gebliebenen lückenhaften oder absichtlich verdrehten Berichten verbreitet wurden.

Erneuerung der Burg

Im Jahre 1992 führten Pavel und Miloslav Klimeš in Auftrag von Milan Vích, des damaligen Bürgermeisters von Pec pod Snìžkou, die bauhistorische Erforschung der Waldburg durch. Dieses erste Dokument erläuterte näher die Vermögens- und Rechtsbeziehungen, die Geschichte und den bautechnischen Zustand der Burg und enthielt eine Zusammenfassung und Empfehlungen zur Vorgehensweise bei der Rettung der Ruine. Zu einem Impuls zu weiteren Aktivitäten wurde im Jahre 1995 auch die Reaktion auf den Artikel über die Aichelburg in der Saisonzeitschrift Veselý výlet Nr. 7. Am 15. Oktober 1995 trafen sich auf der Waldburg ein paar Enthusiasten, um hier die Bürgervereinigung Burggesellschaft Aichelburg zu gründen, dies sich zum Ziel setzte, das romantische Bauwerk zu retten, zu erneuern und den Betrieb dieses romantischen Werkes zu wieder auf zunehmen. Oldøich Lábek, der Direktor des Riesengebirgsnationalparks wurde zu ihrem Vorsitzenden und Herr Milan Vích zum Sekretär ernannt, unter den zwölf Gründungsmitgliedern waren auch Vertreter des Veselý výlet. Die Burggesellschaft sorgte für die nötige Vermessung des Grundstücks und die Herausnahme aus dem Bodenfonds, sie pachtete das Burggebäude samt Burghof von der KRNAP-Verwaltung und besorgte alle notwendigen Bau- und weiteren Verfahren.
Vom ursprünglichen Steinbau mit gezimmerten Dachstuhl und Schindeldeckung waren nur der viereckige Turm und ein gewölbter Keller übergeblieben. Ab 1996 verliefen die Erhaltungs- und Rettungsarbeiten, allem voran die Sicherung der Südecke, um das Einstürzen eines weiteren Teils des Kellergewölbes zu verhindern. Die Finanzmittel zur Aufnahme der Renovierung der Burg wurden von den Gemeindeämtern von Pec pod Snìžkou, Horní Maršov, Janské Láznì und Malá Úpa und auch von Herrn Wladimir Aichelburg aus Wien bereitgestellt. Im Jahre 1998 wurde das Gewölbe ausgemauert, die Fundamentplatte gegossen und es wurden notwendigste Reparaturen am Turm durchgeführt. Im März des Jahres 1997 legte Miloslav Klimeš die architektonische Studie der Erneuerung der Waldburg vor, die von der Burggesellschaft angenommen wurde. Diese rechnete mit einer Ausbesserung der erhalten gebliebenen gemauerten Teile und dem Bau einer neuen gezimmerten Burgkammer. Zur Erneuerung des gesamten Bauwerkes aus Steinen war einfach zu wenig Baumaterial vorhanden. Im Jahre 1998 gelang es den Hauptteil der notwendigen Finanzmittel vom Umweltministerium sicherzustellen. Miloslav Klimeš bereitete das Durchführungsprojekt vor, entsprechend dessen Zimmerleute den Winter über in der Halle der ehemaligen Textilfabrik in Temný Dùl den gezimmerten Bau zusammenstellten. Er ist nur aus Holz, unter Verwendung von Zimmererverbindungen hergestellt und kommt ohne Metallelemente aus. Gleich im Mai 1999 schleppten Wegebauer das Material zur Burg hinauf, wo die Zimmerleute binnen einer Woche die Holzkonstruktion zusammenstellten und den Bau mit einem Dach bedeckten. Danach wurde der Kamin gebaut, der Turm repariert und überdacht, eine Brücke aus hiesigen Balken gebaut und die äußere und innere Gebäudehülle hergestellt. Auch der Burghof wurde erneuert, die Wasserleitung fertig gestellt und die Umgebung hergerichtet, samt der Anschlüsse an die Bergsteige. Die letzte und ziemlich komplizierte Aufgabe war der Bau der Wendeltreppe im Burgturm aus dem Holz hier wachsender starker Bäume. Aus Initiative der Burggesellschaft erneuerte die KRNAP-Verwaltung in den Jahren 1998 - 1999 beide historische Bergsteige. Auf dem ersten gelangt man direkt von der Aupa über 400 Steinstufen zur Burg. Der zweite führt aus Temný Dùl zu den Großen Tippeltbauden (Velké Tippeltové boudy) hundert Meter über der Waldburg vorbei. Dadurch wurde sie nach vielen Jahren wieder gut zugänglich. Die Arbeiten an der Erneuerung der Burg und die meisten Arbeiten bei der Wiederherstellung der Bergsteige wurden von Firma KLIMEŠ durchgeführt.
Die in der Gruft der Aichelburg gefundene Büste von Berthold Aichelburg wurde (zusammen mit der Gedenktafel mit den Initialen BA) vom Restaurateur Jarin Krouz samt Familie hergestellt. Sie wurde am 6. November 1999 von Freunden des Veselý výlet, vom Forstpersonal und hiesigen Einwohnern zur Burg hinaufgebracht. So kehrte Graf Berthold nach zirka 120 Jahren wieder auf seine Burg zurück. Nachdem die Büste über die Brücke in die Burgkammer getragen wurde, feuerten die Forstbeamten zu Ehren der Rückkehr des Grafen Berthold in die wiederhergestellte Gedenkstätte drei Ehrensalven ab. Der feierlichen Einweihung der Burg war unter anderem auch der Wiener Kunsthistoriker Dr. Wladimir Aichelburg, der Ur-, Ur- ...Urenkel von Berthold zugegen.
Am 21. Juli des folgenden Jahres wurde unter Anwesenheit der Mitglieder des Tschechischen Touristenklubs, Vertretern der KRNAP-Verwaltung und des Umweltministeriums und Freunden des Veselý výlet der Wanderlehrpfad Aichelburg und auch die Burg selbst der Öffentlichkeit zugänglich gemacht.
-pk-, -mv-


Aufwärts