Geschichte des"Veselý výlet" in Pec pod Snìžkou

Das Holzhaus birgt in seinem Erdgeschoss ein Informationszentrum, Geschäft mit Geschenkartikeln, und im ersten Stock eine Galerie und eine Privatwohnung. Der Veselý výlet befindet sich an der Hauptstraße im Stadtkern von Pec pod Snìžkou, nur ein paar Schritte hinter der Post und dem Busbahnhof.

Aus der Geschichte des Hauses

Im Mai des Jahres 1992 fassten wir, nun schon unter freiheitlichen Bedingungen, den Entschluss, unter Verwendung unserer Erfahrungen aus aller Welt mitten in Pec pod Snìžkou ein Informationszentrum zu eröffnen. Dank des Verständnisses vor allem des ersten Bürgermeisters nach der Wende, Milan Vích, erhielten wir 3 Räume im benachbarten Haus Nr. 220 gemietet. Sowohl dem Informationszentrum, als auch dem gleichzeitig gegründeten Saisonzeitschrift gaben wird den Namen Veselý výlet. Das Interesse der Besucher aus der damaligen Tschechoslowakei, dem benachbarten Polen und vor allem aus Deutschland war enorm, was uns von der Richtigkeit unseres Tuns überzeugte. Aber allzu häufiger nachbarlicher Streit vergraulte uns 1993 letztendlich nicht nur aus dem Informationszentrum, das wir inzwischen um eine Galerie bereichert hatten, sondern auch aus der Stadt Pec selbst. So reparierten wir das kurz zuvor erworbene historische Haus in Temný Dùl/ Horní Maršova, um hier gleich ab Oktober 1993 (nur mit einer dreitägigen Unterbrechung) den Betrieb des Infozentrums und einer größeren Galerie fortzusetzen. Aber den Gedanken, ein Informationszentrum in Pec pod Snìžkou zu betreiben, hatten wir keineswegs aufgegeben. Schon seit 1992 hatten wir ein paar Mal einen Antrag in Bezug auf das verlassene Baugrundstück Nr. 226 mitten in Pec pod Snìžkou gestellt, das sich gleich neben unserer ersten Betriebsstätte befand.
Hier stand bis 1911 das gezimmerte Halbstockhaus Nr.196 mit einer vorderen Sattelgaube, das vom Konsumverein hiesiger Bürger gegründet wurde. 1945 wurde das Haus kraft § 108 der sog. Beneš-Dekrete als deutsches Eigentum konfisziert und am 14. November 1945 wurde Karel Osvald, ein Geschäftsmann aus Prag 1. zum ersten Nationalverwalter ernannt. Nach dem kommunistischen Putsch von 1948 übernahm der Konsum des Riesengebirgsvorlands Trutnov das Haus , dessen Inhaber der Kreisverband der Verbrauchergenossenschaften war. Außer einem Lebensmittelgeschäft im Haus befand sich hier ab 1958 auch eine Molkerei. Bekanntester Geschäftsleiter war Herr Miroslav Hilsch aus Velká Úpa, der hier bis zur endgültigen Schließung des Geschäfts verkaufte. Dazu kam es nach der Fertigstellung der neuen Verkaufsstelle Snìžka im Jahre 1979. Das alte, aber unversehrte und hübsche Haus Nr. 196 wurde abgerissen. An seiner Stelle entstand eine kleine Grünfläche mit Rasen, mit ein paar Bergkiefern und Informationstafeln der Nationalen Front. Grundstücksbesitzer wurde Pec pod Snìžkou. Nur schwer gelang es uns, die Stadtvertretung von der Vorteilhaftigkeit der Gründung eines Informationszentrums und einer Galerie zu überzeugen. Einmal wurde uns das Grundstück zur Miete zugesprochen, aber bevor wir die Unterlagen zum Bauverfahren zusammen hatten, wurde es uns wieder abgesprochen. Erst bei der Sitzung der Stadtvertretung in Velká Úpa vom 29. 6. 1995 stand die Vermietung der Bauparzelle zum Bau des Informationszentrums Veselý výlet endlich auf der Tagesordnung und wurde prompt beschlossen. Der Vertrag über die Vermietung der Grundstücke wurde am 14. Juli 1995 unterzeichnet. Der Bau wurde vom damaligen Bürgermeister von Pec pod Snìžkou, Herrn Jiøí Ratajík unterstützt.
Zuerst dachten wir an eine Nachahmung des ursprünglichen Holzhauses, mit dem Wunsch, die Zimmertechnologie unserer Vorfahren auszuprobieren. Bald aber änderten wir unser Vorhaben und entschieden uns wohl richtigerweise, ein Haus im Geist des 20. Jahrhunderts zu bauen. Das Vermächtnis der Vergangenheit wollten wir dennoch ehren und deshalb entstand ein Holzhaus mit Zimmer- und Fachwerk, genauso, wie sie die Menschen im Riesengebirge zu bauen pflegten. Wir baten unseren Architektenfreund Jiøí Hùrka, die architektonische Studie zu erarbeiten. Er bekam von uns ziemlich detaillierte Vorstellungen zur von uns gewünschten Verwendung und zum Betrieb des Hauses (erarbeitet von Pavel Klimeš). Mit der Studie, an der neben Jiøí auch die Architektin Radana Andula Feistnerová zusammenarbeitete, waren wir zufrieden und im Durchführungsprojekt, das wir selbst erarbeiteten (Miloslav Klimeš), kam es aus architektonischer Sicht nur zu geringfügigen Änderungen. Das Ressort Bauwesen am Gemeindeamt von Pec pod Snìžkou erließ am 2. Oktober 1996 den Bebauungsentscheid und erteilte am 16. Juli 1997 die Baugenehmigung. Sofort nahmen wir die Bauarbeiten auf, um dann am 16. August 1997 die Freunde des Veselý výlet zur Grundsteinlegung einzuladen. Als Grundstein verwendeten wir einen Granitstein aus den Grundmauern der abgerissenen Riesenbaude, die im Jahre 1847 als überhaupt erste Kammbaude errichtet wurde und ausschließlich dem Tourismusbetrieb diente. Dem Stein wurde von unserem Freund, dem Steinmetzen Pavel Paulo Maulo Malý aus Hostinné die Form des Kreuz des Südens verliehen. Solch einen Stein hatten wir nämlich bei unserem letzten "lustigen Ausflug" nach Mittel- und Südamerika gesehen - auf dem Gipfel des Intihuatana im Haupttempel auf dem geheimnisumwitterten Machu Picchu in Peru. Eingelassen im Fußboden des Informationszentrums des Veselý výlet soll er bei den Besuchern des Riesengebirges über die gebotenen Dienstleistungen hinaus einem Hauch von Fernweh, Exotik und Reiselust evozieren.
Die Grundmauern stellten wir im September 1997 fertig, worauf wir uns an die Zimmerung des Erdgeschosses machten. Dazu zogen wir den Zimmermeister Petr Rùžièka aus Prag hinzu. Er schlug die Ausführung des Zimmerwerks und der -verbindungen vor und beriet uns mit den einzelnen Möglichkeiten zur Holzbearbeitung. Die Stämme suchten wir persönlich an den Abfuhrstellen im Wald aus. Die mächtigen Fichten stammen von den Gipfeln (Kugeln) Koula, Prostøední hora und (Finkenkoppe) Pìnkavèí vrch im Löwengrund (Lví dùl), vom Forst- und Schwarzen Berg (Svìtlá und Èerná hora) und vom Hang des Rosenberges (Rùžová h.) über dem Riesengrund (Obøí dùl). Da wir nur Holz verwendeten, das in einer Meereshöhe von über 1000 Meter wuchs, ist es sehr dicht und wie wir hoffen, auch entsprechend zäh. Das Zimmerwerk ruht ringsum auf Eichenbohlen und auch alle Türschwellen sind aus Gründen der Feuchtigkeits- und Trittfestigkeit aus Eichenholz. Unter der Leitung von Petr Rùžièka zimmerten wir mit kleinen Unterbrechungen bei Regen und Schnee bis März 1998 weiter, als wir die Deckenbalken legten. Außer Petr Rùžièka, Miloslava und Pavel Klimeš beteiligten sich auch Pepa Šusta, Petr Tužka Rychetský, Petr Košál, Miloš Nutil und später, nach Abschluss des Studiums auch der neu antretende Adam Strakoš am Werk. Dieser übernahm dann nach dem Abgang von Josef Šusta nach Amerika die kompliziertesten Zimmer- und Tischlerarbeiten. Aber auch Marek Cardík Carda, Jiøí Odvárka, Jindra Kobr, Franta Kuèera, David Šusta und ab Frühjahr 1999 auch Miloš Novák beteiligten sich am Bau. Den gesamten Bau leiteten wir allein, vor allem jedoch Miloslav Klimeš.
Im Mai 1998 zimmerte Petr Rùžièka mit seinem Gehilfen Pavel aus Slavonice von Hand vier zwölf Meter lange Stämme zu achteckigen sich verjüngenden Pfeilern. Diese Pfeiler wurden dann zu den Hauptstützen des zweiten gezimmerten Stockwerkes und des Mansardendaches. Das Zimmerwerk bereiteten wir in der Werkstatt in Horní Maršov vor, um es dann zusammenzupassen und mittels Holzzapfen zu verbinden. Den Dachstuhl bauten wir dann an Ort und Stelle. Der Herbst 1998 war jedoch vom Wetter her nichts besonderes und namentlich der Oktober war ausgesprochen regnerisch. Das durchnässte Holz wurde langsam schwarz, was uns dazu zwang, es zu Winterbeginn erneut manuell abzuhobeln. Am verschneiten 7. November 1998 trafen wir wieder mit den Freunden des Veselý výlet am Bau zusammen, um symbolisch den letzten Zapfen der Holzkonstruktion einzuschlagen, die völlig ohne Metallverbindungen auskommt. Den Winter über stellten wir dann die Ummantelung und die Türmchen fertig. Noch vor den starken Schneefällen im Januar und Februar von 1999 wurden alle Tür- und Fensteröffnungen des Hauses geschlossen. Noch im Herbst kam der gemauerte Gebäudekern hinzu, der dann im darauffolgenden Frühjahr fertig gestellt wurde. Am 1. Januar 1999, 15 Minuten nach Mitternacht, hätte das ganze Haus abbrennen können, als bei der Silvesterfeier eine Silvesterrakete durch eine kleine Spalte im Bau flog und dort so unglücklich unter einem aufgeschlichteten Holzstoß landete, dass sie das wohl einzige Stück Igelit in Brand setzte, das sich auf dem Bau befand. Zum Glück bemerkten zwei hiesige Jungs - Honza Novotný und Wolfik Berger das Feuer und löschten es schnurstracks. Die beiden Löschzüge aus Trutnov brauchten gar nicht mehr einzugreifen. Den folgenden Sommer über bauten wir dann die hintere Laufbrücke, stellten den Holzfußboden fertig, fugten die Zimmerung aus, strichen das ganze Haus mit Lasurlack an, vergaben die Dacheindeckung mit schwarzem Titanzinkblech, mauerten die ersten Querwände und den Lattenverschlag zur Befestigung der Wärmedämmung. Dann konnte die Lieferantenfirma zur Installation der Elektro- und Schwachstromverteilungen und der beiden doppelwandigen Schornsteine antreten. Die Terraingestaltung und die Auspflasterung der Flächen mit Granitpflaster führten wir im Oktober 1999 durch, an der Grundstücksgrenze setzten wir acht alte Straßensteine aus Sandstein ein. Ins Haus gelangt man über eine Granitschwelle der ehemaligen Riesenbaude, die über 130 Jahre lang von tausenden Absätzen von Riesengebirgsbesuchern gewetzt wurde. Nach Absprache mit dem Architekt wurden drei Stahltreppen und das Geländer entworfen und im Erdgeschoss der Natursteinbelag aus spanischem Schiefer verlegt. Der Architekt Jiøí Hùrka entwarf die einzelnen Möbelstücke. Mit der Innenverkleidung und der Installation der Innenausstattung wurde der Bau dann vor Weihnachten 199 abgeschlossen. Bestandteil des Gebäudes ist auch eine interessante Wohneinheit, die wir zum ständigen Wohnen vermieten.
Zusammen mit unseren Freunden eröffneten wir das Holzhaus des Veselý výlet dann am 15. Januar 2000 zu Anlass der ersten Ausstellung "Václav Havel - Symbol der Freiheit, unter Anwesenheit der Autoren dieser Fotografien - Bohdan Holomíèek, Pavel Štecha und Tomki Nìmec. Die Vernissage und die Eröffnungszeremonie wurde untermalt von den Trommelklängen von Pavel Fajt. Der Öffentlichkeit steht der Veselý výlet in Pec pod Snìžkou ab dem 1. Februar 2000 zur Verfügung.

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