Geschichtliches - die Pension Veselý výlet in Temný Dùl

Dieses geschichtsträchtige Haus beherbergt das Informationszentrum mit Wechselstube, die Familienpension und eine Galerie.
Es steht an der Hauptstraße zwischen Horní Maršov und Pec pod Snìžkou, bzw. Malá Úpa. Auch aus dem Auto ist es kaum zu übersehen, in der Nacht ist es beleuchtet. Am Haus befindet sich ein geräumiger Parkplatz, auf dem sowohl die Gäste der Pension, als auch die Besucher des Infozentrums und der Galerie bequem parken können.

Aus der Geschichte des Hauses

Den Bau des als Kneipp-Bad mit Unterkunft und Gasthof konzipierten dreistöckigen Hauses im engen Tal unter dem Altenberg in unmittelbarer Nachbarschaft der nicht mehr existierenden Hütte von Joseph Zinecker initiierte im Jahre 1855 wohl der Besitzer der Marschendorfer Herrschaft Berthold Aichelburg. Seine Vorliebe, alle möglichen Gebrechen mittels kalten Wasser zu heilen, stieß bei den Besuchern nicht auf entsprechende Gegenliebe und so wandelte sich das Haus kurzum in ein gewöhnliches Gasthaus mit Unterkunft. Wir wissen, dass man später am Tresen die Schlüssel zur Waldburg Aichelburg geliehen bekam, welche man dem Adligen nach dessen Tode errichtet hatte, um ihm ein Denkmal zusetzen Im Jahre 1889 kaufte Barbara Bock die Pension samt Gasthof, Gastwirt war wohl aber eher ihr Ehemann Joseph Bock. Bei der großen Überschwemmung von 1897 rissen die Fluten einen Teil des Erdgeschosses des Hauses weg, aber die beiden gezimmerten Fachwerketagen blieben wie durch ein Wunder unversehrt. Die Hütte des Landwirts an der Stelle des heutigen Lapidarium remedium musste völlig abgerissen werden. Die anschließend errichtete Flussregulierung der Aupa schützte dann Dunkeltal/ Temný Dùl problemlos sowohl vor dem Jahrhundertwasser, dass überraschend bis auf 14 Tage genau nach hundert Jahren hereinbrach, als auch vor dem Hochwasser von 2002. Noch vor 1897 pachtete Wenzel Henschel den Gasthof samt Kegelbahn, um dann 1905 das ganze Haus zu kaufen. Ehegattin Philomena war in Besitz der Konzession für den Übernachtungsbetrieb, sie war es auch, die Pension und Gasthof auch nach Wenzels Tod im Jahre 1912 weiter betrieb. Obwohl das Haus und die umliegenden Grundstücke auf ihre drei minderjährigen Söhne Rudolph, Ernst und Walther überschrieben waren, betrieb Philomena die Wirtschaft bis ins Jahr 1945 hinein, als es im Rahmen der allgemeinen Konfiszierung deutschen Eigentums ebenfalls konfisziert wurde. In den letzten Jahren, einschließlich der Kriegsjahre, soll es ein Freudenhaus gewesen sein. Um so pikanter ist es, dass gleich die nächsten Mieter nach dem zweiten Weltkrieg Ordensschwestern waren. Erst später gab es hier ein paar Wohnungen und ein Wohnheim der Dunkeltaler Textilfabrik Texlen. Unter der Obhut der sozialistischen Wohnungsverwaltung war es völlig herunter gekommen, als wir es dann im Jahre 1992 in Rahmen einer Versteigerung erwarben, war es im Havariezustand.
Wir entschlossen uns, an die älteste Tradition des Hauses aus dem 19. Jahrhunderts anzuknüpfen und es als Unterkunft für die Besucher und Liebhaber des Riesengebirges einzurichten. Nur, dass wir statt des Gasthofs ein uns doch näheres Informationszentrum und eine Galerie einrichteten. Die architektonische Studie erarbeitete Architekt Jiøí Hùrka, das Ausführungsprojekt wiederum ist unsere Arbeit. In den Jahren 1993 - 1995 haben wir das Haus auch selbst repariert. Den neuen modernen Anbau unter dem westlichen Giebel stellten wir dann im Jahre 2003 fertig. Das Projekt dazu erstellte Miloslav Klimeš, der auch den Bau leitete. Im Erdgeschoss des Gebäudes befinden sich Sauna, Whirlwanne, Werkstatt und das Lager der Zeitschrift Veselý výlet. Im Obergeschoss, dessen Fachwerkkonstruktion in traditioneller Zimmerertechnologie wurde, die ohne Metallverbindungen auskommt, haben wir als Treffpunktraum für bis zu vierzig Freunde des Veselý výlet entworfen. Im Normalbetrieb dient es den untergebrachten Gästen, auch eine Küche zur Frühstücksvorbereitung und eine kleine Küche für die Pensionsgäste gibt es hier.

Ende der alten Zeiten

Es war wohl Mitte Mai gegen Ende des zweiten Weltkriegs, als ein Jeep mit einem betrunkenen russischen Offizier am Marschendorfer Schloss angefahren kam. Er begann sofort zu schreien und zu drohen - leider verstand ihn niemand. Also holten sie mich zum Übersetzen. Ich konnte zwar nur ein paar Worte Russisch, aber auch so begriff ich, dass es um Schnaps und Weiber ging. Zu trinken bekam er genug, aber dass es hier keine solche Frauen gibt, wollte er einfach nicht begreifen. So nahm ich noch eine Flasche als Wegzehrung und wir fuhren nach Dunkeltal zum Freudenhaus. Kaum hatte er das Lokal betreten, war allen klar, dass hier der Spaß vorbei ist. Die Mädchen wollten von einem betrunkenen Russen rein gar nichts wissen, sie packten ihre sieben Sachen, sprangen allesamt aus dem Fenster und suchten das Weite. Mir blieb nichts anderes übrig, als den Offizier mit der Ausrede hinzuhalten, die Mädchen würden sich hübsch machen und ihm dabei immer weiteren Schnaps einzuflößen, bis er endlich einschlief. Wann er aus dem Rausch erwachte und wegfuhr, weiß ich nicht, auf jeden Fall war das das Ende vom Dunkeltaler Freudenhaus.
(Nach einer Erzählung von Hans Dix aus dem Jahre 1995, aufgeschrieben von Pavel Klimeš)

Anmerkung: Wir freuen uns über alle möglichen Informationen über die Geschichte des Hauses des Veslý výlet und das Schicksal der Familie von Wenzel Henschel.


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